Das System der Schadenfreiheitsklassen, welche Unterschiede gibt es und was ist relevant?

In diesem Beitrag gehen wir weiter auf folgende Fragen ein:

Für die Berechnung der Versicherungsprämie einer Kfz-Police sind diverse Faktoren und Merkmale wichtig, dabei spielt die Schadenfreiheitsklasse ein besonders relevante. Details hierzu hatten wir zurückliegend bereits hier (klick) erläutert. Oft wird in diesem Zusammenhang auch der Begriff Schadenfreiheitsrabatt genannt oder abgekürzt SFR. An der Höhe einer Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) kann man auch ablesen, wie  lange man als Versicherungsnehmer Fahrzeuge bereits fährt und wie viele Schäden sich ereignet haben. Ausschlaggebend hierfür ist das beim Versicherer intern geschlüsselte Rabattgrundjahr (Jahres des Beginns). Ist die SF-Klasse niedriger als dieses Rabattgrundjahr sind in der Zwischenzeit auch Schadensereignisse verbucht worden.

Was ist eine Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse)?

Sehr einfach formuliert ist die SF-Klasse ein Wert aus einer Tabelle der Vertragsbedingungen der Versicherer. Durch diese Tabelle ist letztendlich ein Teil der Berechnungsgrundlage der Prämie (Versicherungsbeitrag) geregelt. Ist man z. B. in die SF-Klasse 0 eingestuft, was bei fast allen Gesellschaften ein Prozentsatz von 100 beträgt, wird die Prämie mit 100 % vereinbart. Liegt der Prozentsatz bei nur 50 % ist es somit günstiger. Welche Merkmale noch Einfluss auf die Berechnung der Prämie haben können Sie hier (klick) nachlesen.

Erfolgt in einem Versicherungsjahr kein Unfall / Schaden, wird im Folgejahr die SF-Klasse um eine Stufe besser gestellt. Im Schadenfall aber auch gleichfalls gegenteilig.

Schadenfreiheitsklassen gibt es für die Kfz-Haftpflichtversicherung aber auch für eine Vollkasko, beide werden  immer eigenständig betrachtet. Bei einem Haftpflichtschaden verändert sich die Vollkasko nicht (umgekehrt genauso). Eine Teilkaskoversicherung wird immer mit 100 % berechnet, somit hat ein Schadenfall keinen Einfluss auf die Berechnung der Vertragsprämie.

Wie ein Vertrag in die SF-Klasse eingestuft wird hängt vom vorhanden Schadenverlauf ab, oder welche alternativen Möglichkeiten ein Versicherer hierfür bietet. In der Regel ist dies auch in den allgemeinen Versicherungsbedingungen der Gesellschaften unter Punkt „Einstufung in die Schadenfreiheitsklasse“ nachzulesen.

Anbei eine beispielhafte Tabelle der SF-Klassen (Beitragssatz / Prozente können je nach Versicherer unterschiedlich sein!):

Beispieltabelle_SF-Klassen

Wie wird man in eine SF-Klasse eingestuft?

Hat man bereits eine SF-Klasse aus vorhergehenden Verträgen erworben, wird diese auch bei einem neuen Vertrag angerechnet. Die Versicherungsgesellschaften reichen die SF-Klasse im Hintergrund weiter, selbstverständlich incl. Schadenereignis.

Soll erstmalig eine Einstufung in die SF-Klasse erfolgen, muss dies nicht zwangsläufig bei der SF-Klasse 0 passieren. Die Versicherungsgesellschaften sehen hierzu unterschiedliche Möglichkeiten vor, welche u. a. dann auch auf Basis einer „Sondereinstufung“ erfolgen kann.

Alternativ kann man auch prüfen ob aus der Familie (z. B. Opa / Oma) eine SF-Klasse nicht mehr genutzt wird und diese dann übertragen (Details hierzu siehe hier: klick).

Zum Thema Einstufung eines Zweitwagens haben wir in einem anderen Beitrag bereits ausführlich erläutert, welche Möglichkeiten es gibt (klick).

Folgende Regelungen finden u. a. oft Anwendung:

  • Führerscheinregelung (Besitzt man einen EU-Führerschein seit mindestens 3 Jahren, kann man eine Einstufung in die SF-Klasse ½ verlangen).
  • Partner- oder Ehegattenregelung: Besteht bereits ein weiterer Vertrag über den Ehe- oder Lebenspartner, bieten diverse Versicherer eine Sondereinstufung an (oft SF-Klasse 2 und bei gleicher Versicherungsgesellschaft).
  • Eltern- / Kinderregelung: Analog der zuvor genannten Regelung kann ein Sondereinstufung genutzt werden, falls die Eltern bereits einen Vertrag haben –  oft SF-Klasse 2 und bei gleicher Versicherungsgesellschaft).
  • Dienst- oder Firmenwagenregelung: Bescheinigt der Arbeitgeber eine Nutzung des Dienstwagens, wird über wenige Gesellschaften eine Sondereinstufung angeboten.

Bei Sondereinstufungen sollte man jedoch immer beachten, dass diese in gleicher Höhe bei einem Wechsel der Versicherungsgesellschaft nicht mitgenommen werden können. Der Versicherer bestätigt dann nur die Vertragslaufzeit incl. Schäden. Nachteilig kann eine solche Sondereinstufung auch im Schadenfall sein, da es Gesellschaften gibt die auf Basis der Vertragslaufzeit im Schadenfall zurückstufen (Beispiel:  Vertrag Sondereinstufung 55 % läuft sein 1 Jahr und wird nach einem Schaden im Folgejahr auf 100 % oder sogar 120 % zurückgestuft).

Rückstufung im Schadenfall, wie wirkt sich dies auf die SF-Klasse aus?

Wird man durch einen verschuldeten Haftpflichtschaden im Folgejahr in der SF-Klasse zurückgestuft, wird dies u. U. auch zu einer steigenden Prämie führen. Gleiches gilt somit auch für die Vollkaskoversicherung . Wobei man bei der Vollkasko immer die Wahl hat, ob man einen Schaden meldet.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Schadenhöhe hat keinen Einfluss auf die Rückstufung, lediglich mehrere Schäden im einem Versicherungsjahr führen zu einer deutlich verstärkten Rückstufung.

Tipp: Es gibt z. T. Tarife am Markt welche im Schadenfall deutlich stärker zurückstufen, dies sollte man bei der Auswahl eines noch so günstigen Angebotes immer mit berücksichtigen!

Eine Rückstufung aus einer höheren SF-Klasse wird sich weniger bemerkbar machen, als aus einer niedrigen. Damit wird belohnt, wenn man eine längere Zeit keinen Schaden der Versicherung gemeldet hat.

Tipp: Möchte man eine Hochstufung im Schadenfall vermeiden, kann man bei vielen Gesellschaften einen Rabattretter gegen Mehrbeitrag abschließen. Bei zum Teil älteren Verträgen bzw. Tarifen ist auch bei hohen SF-Klassen bereits ein Rabattschutz beitragsfrei beinhaltet.

Weiterhin sollte man bei kleineren Schäden prüfen ob man diese nicht selber bezahlt. Dabei ist es sogar möglich, einen Schaden vom Versicherer zurückzukaufen. Das macht besonders Sinn, wenn z. B. ein Haftpflichtschaden strittig war und der Versicherer den Schadenhergang als auch rechtliche Situation prüfen soll.  Als grobe Faustformel kann man von einem Wert von 500,00 Euro bis 1.000,00 Euro ausgehen, hier wird sich ein Rückkauf u. U. lohnen, weil man auf die Jahre gerechnet weniger bezahlt. Hierzu kann man aber auch immer seinen Versicherer ansprechen, welcher genauere Berechnungen durchführen kann. Dabei sollte man aber auch auf die Fristen seiner Versicherung achten, da ein Rückkauf i. d. R. nur 6 Monate nach Schadenregulierung (Bezahlung) möglich ist.

Tipp: In wenigen Fällen kann es sich nach einem Schaden sogar lohnen den Versicherer zu wechseln, da eine andere Gesellschaft ein vorteilhaftere Rückstufungstabelle hat (statt in 100 % wird man z. B. nur in 90 % zurückgestuft).

Anbei eine typische Rückstufungstabelle für Haftpflichtschäden:

Beispiel_Rückstufungstabelle

Gibt es unterschiedliche SF-Klasse bei den Versicherungsgesellschaften? 

Tatsächlich gibt es vereinzelt unterschiedliche SF-Klassen bei den Versicherern, was sich allerdings nur auf die Prozentuale Einstufung auswirkt. So hat z. B. die HUK-Coburg bei der SF-Klasse 0 eine Berechnungsgrundlage von 95 % hinterlegt, was bei vielen anderen Gesellschaften mit 100 % vereinbart ist. Dies kann sich in der Höhe der Prämie bemerkbar machen, muss allerdings nicht. Ausschlaggebend hierfür ist im Prinzip die Tatsache ob der Tarif einer Kfz-Versicherung generell günstig kalkuliert ist im Vergleich zu anderen.

Kann man eine SF-Klasse auf eine andere Person übertragen?

Die Übertragung von SF-Klassen ist generell möglich, kommt aber auch immer auf den Tarif bzw. Versicherer an. Es gibt durchaus Tarife z. B. bei Internetversicherten, welche dies nicht ermöglichen.

Soweit eine Übertragung gemäß Vertragsbedingungen darstellbar ist, geht dies i. d. R. nur im engsten Familienkreis (Verwandtschaftsverhältnis ersten Grades = z. B. Eltern / Kinder – siehe auch Erklärung Wikipedia).

Es gibt wenig Ausnahmen, was die Übertragung auf andere Personen betrifft, z. Z. macht dies z. B. die Janitos Versicherung nach Tarif.

Weiterhin kann die SF-Klasse nur in der Höhe übernommen werden, in welcher der Empfänger diese sich hätte selbst erfahren können. Dazu wird das Ausstellungsdatum des Führerscheins als Grundlage verwendet. Konkret will man damit vermeiden, dass sich z. B. der Fahranfänger eine niedrige SF-Klasse von Opa übertragen lässt.

Was passiert bei einer Unterbrechung des Versicherungsvertrages mit der SF-Klasse? 

In aller Regel kann man davon ausgehen, dass eine Versicherungsgesellschaft die SF-Klasse für mindestens 7 Jahre reserviert, soweit man diese nicht verwendet. Möchte man danach ein Police beantragen, muss die Versicherung die SF-Klasse nicht mehr bestätigen. In solchen Fällen sollte man immer mit dem Versicherer Kontakt aufnehmen und die Anrechnung beim gleichen Anbieter versuchen.

  • Unterbrechungszeit weniger als 6 Monate = keine Umstufung im neuen Versicherungsjahr!
  • Unterbrechungszeit mehr als 6 Monate = keine Umstufung im neuen Versicherungsjahr!
  • Unterbrechungszeit länger als 7 Jahre = der Versicherer muss die SF-Klasse nicht mehr bestätigen!

Eine Ausnahme gibt es bei der SF-Klasse 1/2 – hier wird nur ein 1/2-Jahr für eine Besserstufung im Folgejahr benötigt!

 



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