Keine Winterreifen, zahlt die Kfz-Versicherung im Schadenfall?

Autofahrer, die bei Schnee und Eis mit Sommerreifen unterwegs sind, haben seit 2010 schlechte Karten im Schadenfall. Die Versicherung kann die Leistung kürzen oder sogar verweigern, ungeachtet dessen winkt ein Bußgeld seitens der Polizei von € 40 bis zu € 80 (steigt ab 2014). Wie unterscheidet die Versicherung bei Haftpflicht- und Kaskoschäden und auf was muss man achten. Allgemeine Informationen und Tipps können Sie anschließend nachlesen.

Gibt es eine gesetzliche Pflicht für Winterreifen in Deutschland?

Es gibt kein Gesetz in Deutschland was besagt, dass im Winter auch Winterreifen montiert sein müssen. Über die Straßenverkehrs-Ordnung ist allerdings geregelt, dass Kraftfahrzeuge bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte mit M+S-Reifen (Matsch und Schnee) unterwegs sein müssen (Bereifung der Witterung entsprechend). Diese Reifen sind mit dem M+S Schriftzug oder Schneeflocken-Symbol gegenzeichnet und haben ein Profil, das bei winterlichen Fahrwegen den nötigen Halt auf der Straße sichern. Zudem haben Winterreifen gegenüber den Kollegen aus dem Sommer einen weiteren Vorteil, der Gummibelag verhärtet nicht so schnell und das ist die Bedingung für guten Halt auf der Straße.

Der Gesetzgeber schreibt eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm vor, für Winterreifen empfehlen Experten allerdings mindestens 4 mm und ein Alter von maximal 6 Jahren (ältere Gummis werden zu Hart und bieten zu wenig „Grip“ auf der Straße).

Oft werden im Winter auch die Glasscheiben nicht ausreichend vom Eis befreit, verursacht man einen Schaden, weil die Sicht eingeschränkt war, handelt man u. U. fahrlässig!

Zahlt meine Kfz-Versicherung, wenn ich einen Schaden verursache ohne montierte Winterreifen?

Hierbei gilt es zu unterscheiden ob es sich um einen Haftpflicht- oder Kaskoschaden handelt. Die Juristen reden in einem solchen Fall von Fahrlässigkeit im schlimmsten Fall sogar von „grober Fahrlässigkeit“.

Grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn die erforderliche Sorgfaltspflicht im besonderen schwerem Maße vernachlässigt wurde. Der Schadenverursacher hat nicht beachtet, was in der Situation jedem hätte einleuchten müssen bzw. klar gewesen wäre.

Wird vom Versicherer der Einwand der groben Fahrlässigkeit erhoben, trägt dieser auch die Beweislast. Der Versicherer muss also nachweisen und erklären das ein Schadenereignis hätte vermieden werden können. Dies ist u. U. bei fehlenden Winterreifen gegeben und nachvollziehbar.

Leiste die Versicherung im Schadenfall bei Haftplichtschäden?

Haftpflichtschäden also Schäden, welche man einem anderen (Dritten) zufügt, werden von der Versicherung auch bei fehlenden bzw. nicht montierten Winterreifen erstattet. Aber, theoretisch ist es denkbar, dass der eigenen Versicherer einen Regress ausübt, er holt sich das Geld zurück beim Kunden! Diese Rückforderung liegt im Ermessen des Versicherers (er kann muss aber nicht). Bei vielen Versicherungen ist aber in den Bedingungen vereinbart, dass dies nur bis zu einem gewissen Betrag erfolgen kann (üblich hierfür sind z. B. maximal € 2.500).

Leistet die Versicherung im Schadenfall für Eigenschäden (Vollkasko)?

Bei Kaskoschäden wird der Versicherer immer den Tatbestand der groben Fahrlässigkeit prüfen. Liegt dieser vor, kann der Versicherer im Rahmen der sogenannten Quotenregelung seine Leistung kürzen. Die Quotenregelung soll dabei festhalten, in welchem Umfang eine Mitschuld vorliegt. Bei fehlenden Winterreifen könnte die Versicherung allerdings eine Kürzung der Leistung um bis zu 100 % vornehmen. Hat man einen Tarif, welcher auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet, könnte einem dieser Ärger erspart bleiben. Aber Achtung, selbst bei leistungsstarken Tarifen ist u. U. der Ausschluss für Winterreifen vereinbart. Ob Ihr Versicherungsschutz eine Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit beinhaltet und wie die genauen Regelungen hierzu sind, können Sie in Ihrem Vertrag nachlesen (Allgemeine Bedingungen der Kfz-Versicherung Teil A, Absatz 2).

Sollten Sie hierzu fragen haben können Sie sich gerne über die Kontaktfunktion an uns wenden, gerne berechnen wir Ihnen auch einen Vergleich von Leistungsstarken Tarifen, welche den Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit beinhalten: Versicherungsvergleich.

Verweigert der Versicherer die Zahlung aufgrund von grober Fahrlässigkeit, sollte man einen Widerspruch einlegen. Ob tatsächliche eine grobe Fahrlässigkeit vorliegt, kann letztendlich nur vor Gericht geklärt werden. Den Weg zum Rechtsanwalt kann daher die Chance sein, seinen Schaden doch erstattet zu bekommen

Eine Schadenhilfe mit Eingrenzung der Rechtlage und Sachverhaltes können Sie auch über das Internetportal www.compare-versicherung.de kostenfrei beanspruchen.

Achtung in diversen europäischen Nachbarländern gibt es eine „echte“ Pflicht für Winterreifen! Wird man von den Ordnungshütern ohne Winterreifen angehalten, kann man sich nicht ausreden nach dem Motto “das wusste ich nicht”. Bussgelder werden in der Regel immer erhoben, auch wenn man nur Gast in dem Land ist. Daher sollte man sich u. U. im Vorfeld vor Reisantritt genau informieren. Anbei eine Übersicht von Nachbarländern mit gesetzlicher Verordnung:

  • Frankreich: Keine generelle Winterreifenpflicht, aber Winterreifen können durch Verkehrsschilder angeordnet werden (z. B. in Gebirgen)

  • Italien: Winterreifenpflicht kann durch Verkehrsschilder angeordnet werden.

  • Luxemburg: Bei winterlichen Straßenverhältnissen besteht eine Winterreifenpflicht.

  • Österreich: Achtung generelle Winterreifenpflicht. Es werden Bußgelder bei Gefährdung von bis zu € 5.000,00 veranschlagt.

  • Tschechien: Bei geschlossener Eis- und Schneedecke besteht eine Winterreifenpflicht.


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Versicherungsmakler aus Leidenschaft

3 Antworten to “Keine Winterreifen, zahlt die Kfz-Versicherung im Schadenfall?”

  1. anonymus 9. November 2013 at 08:18 # Antworten

    In der Stadt brauche ich keine Winterreifen! Das ist Geld Verschwendung.

    • Christian Rogalewicz 9. November 2013 at 12:29 # Antworten

      Danke für diesen Kommentar. Die Verkehrsordnung unterscheidet nicht ob man im Stadtverkehr oder auf dem Land unterwegs ist. Daher gelten diese Vorgaben auch für die Stadt, auch hier besteht die Gefahr durch Glatteis oder plözlichen Schneefall.

    • Franko 6. September 2015 at 11:24 # Antworten

      Hallo.
      In der Stadt keine Winterreifen? Was für ein Schwachsinn. Es sollten immer Winterreifen ab Oktober gefahren werden. Alles andere ist Verkehrswidrig und ein potentieller Unfallverursacher.
      Ich habe erst günstige Winterreifen hier gekauft, http://www.sceneMarkt.de.
      Da sollte man nie dran sparen.
      Dein Kommentar und Verhalten finde ich echt unverantwortlich.

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