Verkehrsunfall: Das sind Ihre Rechte als geschädigter

Two cars crashedEin Unfall ist schnell passiert und oft mehr als ärgerlich. Da man sich dann auch noch mit der Gegenseite bezüglich der Schuldfrage einig werden muss, eine mehr als undankbare Aufgabe. Auch wenn die gegnerische Versicherung schnell den Schaden reguliert, kann man sich nicht darauf verlassen, dass auch der gesamte Schaden incl. Kosten erstattet wird. In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, welche Kosten Sie erstattet bekommen können.

Bei jedem Verkehrsunfall gilt es in erster Linie erst einmal Ruhe zu bewahren, sind Personen verletzt ist es erforderlich die nötigen Erste Hilfe Maßnahmen einzuleiten und Rettungskräfte und Polizei anzufordern. Weiterhin muss die Unfallstelle gesichert werden (Warnblickanlage anschalten und Warndreieck aufstellen).

Beweissicherung ist für Sie elementar wichtig!

Suchen Sie sich zeugen und machen Fotos vom Schaden und der Umgebung. Erstellen Sie einen Unfallbericht mit der Gegenseite zusammen und lassen sich diesen unterschreiben. Mit diesem Unfallbericht werden alle relevanten Fakten abgeklärt. Auf dieser Basis kann die Versicherung dann die Schuldfrage klären.

Anbei können Sie sich einen Unfallbericht ausdrucken, legen Sie diesen am besten zweifach in Ihr Handschuhfach:

Unfallbericht

Schadenfeststellung an Ihrem Fahrzeug

Lassen Sie den Schaden an Ihrem Fahrzeug ermitteln, hierzu können Sie in eine Werkstatt Ihres Vertrauens fahren oder auch einen Sachverständigen beauftragen. Bitte beachten Sie dabei, dass der Sachverständige weitere Kosten verursacht, welche von der gegnerischen Versicherung nur übernommen werden, wenn die Schuldfrage geklärt ist.

Viele Versicherer ermöglichen auch eine Art Rundum-Service, dabei bietet man Ihnen an, sich um alles zu kümmern. Die Gesellschaften arbeiten dabei mit Partnerwerkstätten zusammen, welche Ihr Auto abholen und u. U. auch zurückbringen. Ob Sie eine solche Dienstleistung nutzen möchten, ist Ihnen freigestellt, allerdings sollte man beachten das dabei auch die Interessen der Versicherung vertreten werden (Kostengeringhaltungs-Prinzip).

Wollen Sie den Schaden nicht reparieren lassen, können Sie auch nach Kostenvoranschlag oder Gutachten „fiktiv“ abrechnen. Bitte beachten Sie dabei, dass die Versicherung keine Mehrwertsteuer erstatten wird, da diese nicht angefallen ist. Weiterhin könnten auch einzelne Bereiche der kalkulierten Reparaturkosten gestrichen oder reduziert werden. Ob dies gerechtfertigt ist, sollten Sie nach Rücksprache mit der Werkstatt oder dem Gutachter klären (soweit Sie einen eingeschaltet haben.

Liegt ein Totalschaden vor, wird nur der Wiederbeschaffungswert erstattet (Restwert wird u. U. abgezogen).

Wird man sich mit der Gegenseite nicht einig, hilft die Einschaltung eines Rechtsanwaltes. Ist man im Recht und gewinnt einen Prozess, muss die Gegenseite auch die Rechtsanwaltskosten übernehmen. Alternativ dazu kann man eine Kostenübernahme auch bei einer vorhandenen Rechtsschutzversicherung hinterfrage. Klären Sie vorab, ob eine Kostenübernahme erfolgt. Haben Sie keine Rechtsschutzversicherung, finden Sie am Ende dieses Artikels einen Vergleichsrechner.

Zwischenfazit: 
  • Am Schadenort den betroffenen Personen helfen und den Unfallort sichern. Anschließend die eigene Beweissicherung durchführen.
  • Schuldfrage mit gegnerischer Versicherung klären und Schadenhöhe an eigenem Fahrzeug feststellen lassen (Werkstatt oder Sachverständiger).
  • Ist die Schuldfrage strittig, können Sie einen Rechtsanwalt einschalten.

Diese Kosten können Sie sich auch erstatten lassen!

Einen Sachschaden an Ihrem Fahrzeug haben wir mit dem ersten Teil des Artikels bereits behandelt. Durch einen solchen Schaden können aber auch Zusatzkosten entstehen, welche Sie selbstverständlich auch beanspruchen können.

  • Wertminderung kann u. U. erstattet werden (oft bei neuwertigen Fahrzeugen)
  • Nutzungsausfallentschädigung oder Mietwagen: Für die Zeit, in der der Geschädigte sein Fahrzeug infolge des Verkehrsunfalls nicht nutzen kann, hat er Anspruch auf eine Nutzungsausfallentschädigung oder eines Mietwagens für den Zeitraum der Reparatur.
  • Schmerzensgeld: Wurden Sie oder Mitfahrer während des unverschuldeten Verkehrsunfalls verletzt, sollten Sie dies unmittelbar bekannt geben. Am besten noch am Unfallort einen Arzt anfordern im Zuge der Beweissicherung. Es empfiehlt sich solche Ansprüche über einen Anwalt geltend zu machen, da man sich nicht auf einen Vergleich einlassen sollte, ohne zukünftige gesundheitliche Folgen zu bewerten.
  • Kosten der Heilbehandlung durch z. B. zusätzliche Arztbesuche.
  • Verdienstausfalls, weil Sie z. B. eine Weile nicht arbeiten können.
  • Fallen Sie krankheitsbedingt im Haushalt aus und können sich z. B. um den Haushalt oder Kinder nicht mehr kümmern, können Sie auch einen „Haushalsführungsschaden“ gemäß § 287 ZPO geltend machen.
  • Zusätzliche und oft „kleine“ Kosten sollten nicht vernachlässigt werden, dazu gehören z. B. An- und Abmeldung, Telefon- und andere Auslagen, Entsorgungs- oder Umbaukosten aber auch Abschlepp- und Standkosten. Denkbar ist hier vieles zu berücksichtigen, es muss nur nachgewiesen werden.

Was tun, wenn die gegnerische Versicherung nicht zahlen will?

Solange man hierzu einen Rechtsstreit vermeiden kann, sollte man immer das Gespräch mit der Versicherung suchen. Eine Hilfestellung hierzu findet man auch auf der Seite von www.compare-versicherung.de, welche bei Problemen mit Versicherung vermittelt und unterstützt.

Fazit:

Ihre Rechte im Schadenfall sind als Geschädigter im Gesetz klar geregelt, diese müssen Sie aber selbst beanspruchen. Leider kann man sich nicht darauf verlassen, dass die gegnerische Versicherung im Rahmen eines “Fragekataloges” alle möglichen Schäden bei Ihnen hinterfragt.

(Bildernachweis: Fotalia.com / Deyan Georgiev #35351354)

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Versicherungsmakler aus Leidenschaft
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